Vertrauen trotz Dopingproblematik

RADSPORT Hauptsponsor bleibt Activity-Racing-Team des TSV Schmiden um Bahnprofi Leif Lampater treu

Fellbach. Der Sportliche Leiter Marc Sanwald kämpft nach den neuesten Dopingfällen mehr denn je um das Activity-Racing-Team des TSV Schmiden und das Rennen in Fellbach. "Ich lasse mir das nicht kaputt reden - wir Amateure haben uns nichts zuschulden kommen lassen."

 

Von Gerhard Pfisterer

 

Marc Sanwald hat eigentlich immer ein Lächeln auf den Lippen. Dieser Tage kann man dem 35-Jährige das aber ganz einfach nehmen. Zwei Namen genügen: Stefan Schumacher und Bernhard Kohl. Die zwei Radsportler vom bis vor kurzem als Vorzeige-Rennstall mit Vorzeige-Profis geltenden Team Gerolsteiner (befindet sich augenblicklich in der Auflösung) sind positiv auf das Epo-Dopingmittel Cera getestet worden. "Ich bin verärgert, dass sie mit ihrer nicht-professionellen Einstellung auch den Amateurbereich kaputt machen", sagt Marc Sanwald, der Sportliche Leiter des Activity-Racing-Teams des TSV Schmiden.

 

Dabei denkt er weniger an die Beschimpfungen und Verunglimpfungen, die sich die Fahrer der Amateurmannschaft gerade bei Trainingseinheiten immer wieder anhören müssen. Marc Sanwald hat vielmehr Existenzängste. Er macht sich Sorgen um die Equipe, die er mühevoll aufgebaut hat. Und um das Rennen in Fellbach. Zumal nach den jüngsten Dopingfällen, die den (Profi-)Radsport endgültig jedweder Glaubwürdigkeit beraubt haben, am Dienstagabend auch das Stuttgarter Sechs-Tage-Rennen in der Schleyerhalle abgesagt worden ist (wir haben berichtet). Danach hat Marc Sanwald noch schlechter geschlafen.

 

Doch es gibt jetzt eine erholsame Nachricht für ihn: Der Hauptsponsor der Mannschaft um den Bahnprofi Leif Lampater sowie des Fellbacher Rennens hält ihm die Treue. "Mit dem Activity-Racing-Team des TSV Schmiden haben wir bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Dem Sportlichen Leiter Marc Sanwald und dem Aushängeschild des Teams, Leif Lampater, werden wir auch weiterhin vertrauen, dass die gesamte Mannschaft "sauber" ist", sagt Thomas Mahlbacher, der Geschäftsführer der Stadtwerke Fellbach. Der Chef des Geldgebers sagt jedoch auch: "Sollten aber Dopingfälle im Activity-Racing-Team bekannt werden, werden wir natürlich umgehend Konsequenzen ziehen und die Zusammenarbeit sofort beenden."

 

In dieser Hinsicht macht sich Marc Sanwald keine Sorgen. "Du steckst natürlich nicht in jedem Einzelnen drin. Aber den Jungs, die ich zu mir ins Team hole, vertraue ich voll. In der Leistungsklasse, in der wir uns bewegen, wäre Doping einfach Schwachsinn", sagt der Sportliche Leiter des Activity-Racing-Teams des TSV Schmiden, für das er auch selbst im Sattel sitzt. "Ich persönlich würde mir auch nie etwas einfach so in die Venen spritzen, von dem ich nicht weiß, ob mir nicht nachher Hörner davon wachsen."

 

Im Amateur-Radsport sind bislang nur vereinzelte Fälle von Doping aufgedeckt worden. "Ich denke schon, dass es da extrem sauber zugeht", sagt Marc Sanwald. In den vergangenen Monaten ist er immer wieder bei Rennen in Rheinland-Pfalz gewesen, nach denen stichprobenartig vier Fahrer getestet worden sind. "Es sind trotzdem immer alle am Start stehen geblieben", sagt Marc Sanwald. "Diese Verallgemeinerung, dass alle Radsportler - und nur die Radsportler - gedopt sind, ist, was mich so ärgert. Mich bringt´s auf die Palme, wie wir gerade behandelt werden."

 

In Zeiten, in denen Rennen auf allen Ebenen infrage gestellt werden oder wie etwa die Deutschland-Tour schon abgesagt worden sind, will er weiterhin in Fellbach eine Wettfahrt für Amateure organisieren. "Ich lasse mich nicht unterkriegen, mir das nicht kaputt reden - wir Amateure haben uns nichts zuschulden kommen lassen", sagt Marc Sanwald.

 

Fellbacher Zeitung 18.10.2008