45. Bremer Sechstagerennen

5. Tag

Foto: Paul J. Wright
Foto: Paul J. Wright

Leif und Erik Zabel übernehmen in der fünften Nacht wieder die Führung mit fünf Punkten Vorsprung auf das Team Olaf Pollack und Franco Marvulli. Nachdem Andreas Beikirch leider beim Mannschaftsausscheidungsfahren stürzte und das Rennen beenden musste.

Nach einer missglückten Ablösung mit seinem Partner Robert Bartko touchierte Andreas Beikirch den vor ihm fahrenden Bruno Risi und landete höchst unsanft auf der Bahn. Renner sind hart und Andreas Beikirch wäre er am liebsten nach wenigen Minuten wieder aufs Rad gestiegen. Doch Veranstalter Frank Minder wollte auf Nummer sicher gehen und sorgte dafür, dass Andreas Beikirch ins Krankenhaus eingeliefert wurde, um sich einer Kernspintomografie zu unterziehen. Diagnose: Andreas Beikirch hatte sich einen Deckplatteneinbruch des zweiten Lendenwirbelkörpers zugezogen und fiel damit definitiv aus. Nachdem sich der junge Schweizer Tristan Marquet zuvor mit einer Bronchitis abgemeldet hatte, bildete der Sportliche Leiter Patrick Sercu flugs ein neues Team. Alexander Aschbach, bis dahin Marquets Partner, tauschte das orangefarbene Trikot mit der Nummer 10 mit dem schwarzen Jersey und bildete fortan ein Team mit Robert Bartko.

 

Stand nach der 5. Nacht:
1. Erik Zabel/Leif Lampater (Unna/Schwaikheim) 344 Pkte.
2. Olaf Pollack/Franco Marvulli (Kolkwitz/Schweiz) 239 Pkte.
3. Bruno Risi/Danny Stam (Schweiz/Niederlande) 272 Pkte.
1 Runde zurück:
4. Robert Bartko/Alexander Aeschbach (Potsdam/Schweiz) 269 Pkte.
2 Runden zurück:
5. Leon van Bon/Kenny de Ketele (Niederlande/Belgien) 212 Pkte.
3 Runden zurück:
6. Marc Hester/Luke Roberts (Dänemark/Australien) 270 Pkte.
4 Runden zurück:
7. Robert Bengsch /Erik Mohs (Berlin/Leipzig) 194 Pkte.
5 Runden zurück:
8. Christian Grasmann/Andreas Müller (Irschenberg/Österreich) 143 Pkte.
11 Runden zurück:
9. Christian Lademann/Sebastian Siedler (Köln/Buchloe) 135 Pkte.
20 Runden zurück:
10. Sebastian Frey/Marcel Barth (Viernheim/Gera) 90 Pkte.
27 Runden zurück:
11. Daniel Musiol/Christian Bach (Cottbus/Meiningen) 70 Pkte.

 

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Ein Sieg als Abschiedsgeschenk

Leif Lampater über die Zeit an der Seite von Erik Zabel

Für Erik Zabel ist das 45. Bremer 6-Tage-Rennen das vorletzte überhaupt in seiner langen Karriere. Er wird noch vom 22. bis 27. Januar 2009 in seiner Heimatstadt Berlin starten und danach seine Karriere beenden. Für das derzeit beste deutsche Sechstage-Duo Erik Zabel/Leif Lampater ist Bremen definitiv das letzte gemeinsame Rennen. „Ete" Zabel startet in der Hauptstadt auf Wunsch des Veranstalters gemeinsam mit Robert Bartko, Lampater fährt mit dem Australier Luke Roberts.

Leif Lampater erinnert sich noch gut an das erste Sechstage-Rennen, bei dem er Erik Zabel begegnet ist. „In Dortmund war das. Erik hat an der Seite von Rolf Aldag gewonnen und ich bin mit ungefähr 30 Runden Rückstand hinterhergefahren", sagt der Schwabe und grinst. Den großen Meister, den sechsfachen Träger des Grünen Trikots bei der Tour de France, kannte er zuvor „eigentlich nur aus dem Fernsehen". Schon als Junior war er voller Bewunderung für den Rennfahrer Zabel. „Aber ich hatte nicht die Wände voll gepflastert mit Postern von ‚Ete', so war's nun auch nicht", sagt Lampater.

So langsam aber sicher wurden bei ihm aus den 30 Runden Rückstand zehn, dann
drei, schließlich fuhr Lampater in der Spitze mit. 2006 gewann er in Stuttgart gemeinsam mit Robert Bartko und Guido Fulst sein erstes Sechstage-Rennen. Lampaters Top-Leistungen waren weder den Veranstaltern noch Zabel entgangen. „Ich selbst war ganz bestimmt nicht so vermessen, auf Erik zuzugehen und ihn zu fragen, ob er mit mir fährt", erklärt der Schwaikheimer. Erik Zabel hingegen musste nun wahrlich keine Scheu haben. Fast jeden konnte er fragen, für wohl alle Profis im Sechstage-Zirkus wäre es eine Ehre gewesen, mit ihm gemeinsam an den Start zu gehen.

Im Herbst 2007 in Dortmund gab das Duo Zabel/Lampater schließlich sein Debüt. „Ich war schon ganz schön angespannt vor dem Rennen", erinnert sich Lampater. „Aber es lief super und deshalb hat sich das schnell gegeben." Das neue rein deutsche „Traumpaar" wurde Zweiter hinter Bruno Risi und Franco Marvulli, die in dieser Saison die Sechstage-Pisten beherrschten. Zweite wurden Zabel/Lampater in derselben Saison auch in München und Anfang 2008 in Bremen.

Wenn Leif Lampater über die gemeinsame Zeit mit Erik Zabel erzählt, dann spricht er von Partnerschaft, nicht von Zusammenarbeit. „Es war total angenehm mit ‚Ete'", sagt er. Sportlich und menschlich habe es gepasst, findet der 26-Jährige. Stress oder gar Streit, so Lampater, habe es nie gegeben. „Klar hatte ich auch mal ein paar Tage, an denen es nicht so lief, aber dann hat Erik nur gesagt: Kein Thema, ein anderes Mal reißt Du es raus." Wie beispielsweise am ersten Tag in Bremen, als Zabel nicht so richtig in Tritt kam und Lampater den Altmeister erst so richtig in Schwung brachte. Es sei halt ein Geben und Nehmen gewesen. „Wenn er gemerkt hätte, dass er sich nicht auf mich verlassen kann, dann hätte er wohl auch nicht weiter mit mir geplant."

So hundertprozentig sicher war sich Lampater vorher nicht gewesen, dass aus der Liaison eine solch harmonische Partnerschaft werden würde. Zabel, so hatte ihm der eine oder andere Kollege gesteckt, sei unnahbar, bisweilen sogar arrogant. „Ich sehe das anders. Ich glaube eher, dass das eine gewisse Art von Schüchternheit, von Zurückhaltung ist", sagt Lampater. Auf jeden Fall sei „Ete" eher ein introvertierter Typ." Auch das passt. Leif Lampater schreit ebenfalls nicht sofort laut „Hier bin ich", wenn ein Kamerateam um die Ecke biegt. Dass die Medien sich überwiegend auf den Superstar Zabel stürzten, dessen Karriere so viel Licht, aber auch Schatten aufzuweisen hatte, das war ihm während der gemeinsamen Zeit gar nicht so unrecht.

Vor allem aber wusste Lampater, dass die Partnerschaft mit Zabel seiner Karriere einen gewaltigen Schub versetzen würde. „Klar, das war schon ein Riesenschritt, aber es bedeutete gleichzeitig auch eine ganz schön große Verantwortung. Erik gegenüber, aber auch gegenüber den Veranstaltern." Lampater hielt ihr stand. Auch wenn es dauern sollte mit dem ersten Triumph bei einem Sechstage-Rennen.

Den ersten gemeinsamen Erfolg feierten die beiden im Oktober des vergangenen Jahres in Dortmund. Für „Ete", der seit Jahren in Unna unweit Dortmunds zuhause ist, war es ein wichtiger Sieg, vor allem aber ein tränenreicher Abschied. „Das war schon ergreifend, das ging schon ans Herz", sagt Leif Lampater, „aber ich hab' nicht so nah am Wasser gebaut. Tränen sind bei mir keine geflossen."

In Bremen soll nun der zweite gemeinsame Sechstage-Sieg folgen. Die Chancen stehen gut. Nach dem zweiten Tag lagen die beiden „fliegenden Kühe" im cyanblau und weiß gescheckten Milram-Trikot vorn. „Klar will ich selbst auch gewinnen. Vor allem aber wäre es toll, wenn ich Erik zum Abschied einen Sieg schenken kann." In Berlin in rund zwei Wochen ist endgültig Schluss für Zabel. „Ich wäre gern mit ihm sein allerletztes Rennen gefahren. Aber man hat sich für Bartko und Zabel entschieden. Schade, aber ich kann das aus Sicht der Veranstalter nachvollziehen", sagt Lampater.

 

Interview mit Leif von der Homepage des 45. Bremer Sechstagerennen